Festival

Samstag, 20. Oktober 2018 – ab 14.00 Uhr – AJZ Neumünster

In Zeiten, in denen sich viele Menschen Sorgen um die Demokratie machen und unter dem Motto #wirsindmehr auf die Straße gehen, um ein Zeichen gegen Rassismus und rechte Gewalt zu setzen, zeigen auch mehr und mehr Künstler_innen Flagge. Wenn am 20. Oktober 2018 in der AJZ Neumünster ein Festival unter dem Motto „Für mehr Eisberge“ stattfindet und den Startschuss für die gleichnamige Kampagne gibt, weil sich die Nazikneipe „Titanic“ in der Stadt an der Schwale zum zentralen Treffpunkt der extrem Rechten in Norddeutschland entwickelt hat, sind z.B. die Band The Detectors und der Rapper Pöbel MC dabei.

The Detectors vom Hamburger Label True Rebel haben teilweise Wurzeln in Neumünster, spielten inzwischen neben Touren durch Belgien, Polen und die Ukraine aber auch schon in Prag, in Bordeaux und standen neben den Descendents beim legendären Punkrockfestival „Fest“ in Florida auf der Bühne. Die sozialkritischen Texte dieser Punkband mit „eingängigen, energiegeladenen Melodien“, die musikalisch an Anti-Flag erinnern, sind „angepisst und trotzdem mit bester Laune“, „wütend und trotzdem voller
Hoffnung“.

Der rhetorische Athlet Pöbel MC aus Berlin serviert „unterhaltsamste Punchlinetiraden mit Geist und Haltung“. Sein Label Audiolith, das neben der Band Neonschwarz bis vor kurzem auch Feine Sahne Fischfilet unter Vertrag hatte und neben der Konzertgruppe der AJZ, dem Verein für Toleranz und Zivilcourage sowie dem Kieler Label Fire & Flames Mitveranstalter des Festivals in Neumünster ist, preist seine „filigrane Wortgewalt“ an.

Außerdem werden die Neumünsteraner Punkband Borderpaki, die Kieler Emoband Lirr, der Kieler Rapper LPP sowie das Hamburger HipHop-Duo Docnest auftreten, und das ganze für einen Eintritt von nur 5.00 Euro. Los geht es ab 14.00 Uhr, nachmittags gibt es Vorträge, Infotische diverser Vereine und Initiativen, die sich für ein solidarisches Miteinander einsetzen, sowie kalte Getränke und veganes Essen.

 


LINEUP – ab 17.00 Uhr Live-Musik

+ Vorträge
+ Infomeile
+ Food (vegan) & Drinks


Vorträge – ab 14.00 Uhr

Vortrag 1: „Grauzone erkennen – Neonazis entlarven“

von Azadeeh Arzu, Hamburg

Die erste Informationsveranstaltung aus der Reihe antifascism101 zum Nachhören: Zwischen Krawallbrüdern, linker Politik und deutschsprachigem Punk hat sich seit Jahren etwas gebildet, was sich immer offener Bahn bricht. Eine Grauzone rechtsoffener Bands, die sich in der Punk- und Skinhead-Szene breit macht, sich offiziell nach links und rechts „abgrenzt“, aber Verbindungen ins (terroristische) Neonazi-Milieu pflegt. Relativ unbeobachtet von linken Aktivist_innen okkupieren Neonazis nach und nach vermeintlich alternative Subkulturen und verwässern so die Grenzen emanzipatorischer Politik. Dieser Vortrag soll einen Einblick in Strukturen und Verbindungen geben.

Vortrag 2: „Nazistrukturen im Kiez? Uffmucken!“

von Vertreter_in der Initiative Uffmucken Schöneweide aus Berlin

Die Brückenstraße in Berlin-Schöneweide war jahrelang Synonym für das Streben der Naziszene nach Hegemonie. Mit der Kneipe „Zum Henker“ und dem Laden „Hexogen“ verfügen die Rechten hier über zwei zentrale Eckpfeiler ihrer Szenestrukturen, von der auch Nazi-Demos und Angriffe auf Menschen, die nicht in das Weltbild der Nazis passten, ausgingen. Seit Herbst 2011 hat es sich dann „Uffmucken Schöneweide“, ein Bündnis alternativer Jugendlicher, antifaschistischer Gruppen, Jugendprojekten aus dem Bezirk und zivilgesellschaftlicher Initiativen, zum Ziel gesetzt, dem braunen Treiben und dem alltäglichen Rassismus auf der Straße, mit einer bunten und lebendigen (Gegen-)Kultur ein Ende zu bereiten. Der jahrelange und zähe Kampf hat gefruchtet: Die Vermieter_innen, Nachbar_innen und Gewerbetreibende wurden über die Mieter_innen informiert und mit ins Boot geholt, 2014 musste „Zum Henker“ schließen. Im Vortrag geht es um die damalige Strategie, in der anschließenden Diskussion soll aber auch ein Vergleich zur Situation in Neumünster angestellt werden.

Vortrag 3: „Titanic versenken – Nazikneipen dichtmachen“

von Vertreter_in der gleichnamigen Kampagne

Der Vortrag zeichnet die grobe Entwicklung der Naziszene in Schleswig-Holstein seit 2000 nach und arbeitet heraus, wie die „Titanic“ zentraler Treffpunkt der extremen Rechten werden konnte und heute insbesondere für die NPD unverzichtbar ist. Die im Kampagnenaufruf angerissenen Zusammenhänge zwischen Reichsbürgern, extrem rechter Parteipolitik, Kameradschaftszene und rechtsterroristischem Umfeld werden mit Beispielen und Fakten hinterfüttert und das Umfeld des Wirts Horst Micheel ausgeleuchtet. Videobeiträge lockern den Vortrag, der auch gerade auf die Strategie der Neonazis und antifaschistische Interventionsmöglichkeiten eingeht, auf. Zudem wird es einen Ausblick auf weitere Aktionen geben, die im Rahmen der Kampagne stattfinden.